Blauer Lotus: Wirkung, Anwendung und die Geschichte einer heiligen Blume

Der Blaue Lotus wurde im alten Ägypten als rituelle Pflanze genutzt, der auch eine bewusstseinsverändernde Wirkung zugeschrieben wurde. In der heutigen spirituellen Praxis wird er häufig mit dem Dritten Auge in Verbindung gebracht — ein Konzept, das allerdings aus dem indischen Raum stammt und nicht aus Ägypten.

Aus der antiken Überlieferung sind vor allem zwei Wege des Konsums bekannt: Die Blüten wurden in Wein eingelegt, und sie wurden geräuchert. Beide Verwendungen sind bildlich und textlich belegt und stehen dort in einem rituellen, nicht in einem medizinischen Zusammenhang.

Heute wird der Blaue Lotus überwiegend als Tinktur, als Tee oder als Räucherwerk angeboten.

Die EU hat den Blauen Lotus als sogenanntes Novel Food eingestuft. Er ist hier nicht zur Einnahme zugelassen, eine Verzehrempfehlung ist daher nicht zulässig.

Was in der Pflanze steckt

Die Wirkstoffe der Pflanze sind Aporphin-Alkaloide, vor allem Nuciferin und Apomorphin, dazu Flavonoide wie Quercetin-Glykoside. Apomorphin ist in der Medizin gut untersucht — als Wirkstoff in einem völlig anderen, hochdosierten Zusammenhang.

Interessant ist, dass der Blaue Lotus botanisch, historisch und spirituell außergewöhnlich gut dokumentiert ist — seine Pharmakologie aber auch heute erst in Ansätzen erforscht wird.

Botanisch ist er gar kein Lotus

Die Pflanze ist keine Lotusblume, sondern eine Seerose: Nymphaea caerulea. Die Verwechslung ist Jahrtausende alt und hat sich in allen europäischen Sprachen festgesetzt — wer heute „Blauer Lotus“ sagt, meint fast immer die ägyptische Seerose.

Die Blume, die mit der Sonne aufgeht

Nymphaea caerulea wächst am Nil und in den Sümpfen des Deltas. Ihre Blüten öffnen sich am Morgen und schließen sich am Abend, um unter die Wasseroberfläche zurückzusinken — jeden Tag aufs Neue.

Für die Ägypter war das kein botanisches Detail, sondern ein Bild. Die Blume, die täglich stirbt und wiederkehrt, wurde zum Zeichen für Sonne, Wiedergeburt und Schöpfung. In der Kosmogonie von Hermopolis steigt der Sonnengott als Kind aus einer Lotusblüte empor.

Kein anderes Pflanzenmotiv taucht in der ägyptischen Kunst so oft auf. Und unter den Pflanzenfunden aus dem Grab des Tutanchamun, geöffnet 1922 durch Howard Carter, befanden sich Blüten des Blauen Lotus.

Eine Pflanze, die man einem Pharao mit ins Jenseits gibt, war mehr als Dekoration.

Mehr zu dieser Pflanze: Blauer Lotus Tinktur aus unserer Wiener Manufaktur