Chaga: Tee-Zubereitung, Herkunft und Geschichte des Birkenpilzes
Ein Esslöffel in warme Pflanzenmilch, umrühren, fertig. Was in der Tasse steht, ist dunkel, röstig und cremig, hat kein Koffein und schmeckt eher nach Kaffee als nach Tee. Wer einen ausgekochten Chaga oder unseren Chaga Latte mit Lupinen zum ersten Mal trinkt, kommt selten darauf, dass der Hauptbestandteil an einem Birkenstamm gewachsen ist.
Chaga sieht aus wie eine verkohlte Wunde am Baum. Eine schwarze, rissige Knolle, die aussieht wie Kohle, und wenn man sie aufbricht, leuchtet das Innere rostbraun bis goldocker. Es ist einer der eigenartigsten Rohstoffe, die wir im Haus haben, und der mit der bemerkenswertesten Geschichte.
Chaga Latte: Home · 120 g · im Glas 39,80 € · im Refill-Beutel 38,80 €
Getreidekaffee aus Lupinen mit Chaga, Reishi und Ceylon-Zimt
Ohne Koffein, ohne zugesetzten Zucker · ca. 45 Portionen
Zum Chaga Latte
Zwei Kontinente, die nichts voneinander wussten
Das Erstaunliche an Chaga ist nicht, dass ein Volk ihn verwendet hat. Das Erstaunliche ist, dass ihn Völker verwendet haben, die einander nie begegnet sind.
Sibirien
Die estnische Ethnographin Maret Saar lebte 1987 am Großen Jugan in Westsibirien und befragte achtzehn Chanty über ihren Umgang mit Pilzen. Ihre Arbeit erschien 1991 im Journal of Ethnopharmacology und ist bis heute die sauberste Quelle, die es zu diesem Thema gibt.
Sie beschreibt drei Dinge. Man schnitt den Pilz mit dem Messer klein, gab ihn in kochendes Wasser und trank den Sud. Man verbrannte ihn bis zur Rotglut und löste die Asche in heißem Wasser, das ergab eine Lauge zum Waschen. Und man räucherte mit dem Rauch des brennenden Pilzes.
Kanada
Achttausend Kilometer entfernt, in den borealen Wäldern Nordamerikas, geschah dasselbe. Die Ethnobotanikerinnen Nancy Turner und Alain Cuerrier haben 2022 zusammengetragen, was indigene Völker Kanadas mit Pilzen taten. Chaga taucht dort mehrfach auf.
Die Woods Cree und die Chipewyan kochten ihn aus und tranken ihn, dieselbe Zubereitung wie am Jugan, ohne dass je jemand von dort erzählt hätte. Das glimmende Innere diente dazu, Feuer von einem Lagerplatz zum nächsten zu tragen, mitunter in einer Muschelschale. Und man räucherte damit gegen Mücken.
Die Namen erzählen es am schönsten. Bei den Cree heißt er wîsahkêcâhk omikîh, „Wisakecaks Schorf“, nach der Gestalt aus ihren Erzählungen. Bei den Syilx stiʔíkw, „brennende Kohle“. Bei den Dakelh diyu, „es glimmt“.
Nordeuropa
Und dazwischen, rund um die Ostsee, dasselbe Bild. Auf Finnisch heißt er pakuri, auf Estnisch must pässik, „schwarzer Porling“. Finnische Soldaten brühten ihn im Zweiten Weltkrieg auf, als es keinen Kaffee mehr gab. In Sibirien tranken ihn Bauern statt Tee, wenn das Geld knapp war, und offenbar auch dann noch, wenn es das nicht mehr war.
Wie alt ist die Chaga-Tradition?
Bei den Zahlen lohnt es sich, genau zu bleiben. Die ältesten schriftlichen Berichte über Chaga stammen aus dem 18. und 19. Jahrhundert; wer von Jahrtausenden spricht, schreibt eine Zahl ab, die niemand belegen kann. Es sind Jahrhunderte, nicht Jahrtausende. Aber es sind Jahrhunderte auf zwei Kontinenten gleichzeitig.
Halb Birke, halb Pilz
Am Birkenstamm wachsen mehrere Pilze. Chaga fällt schon durch seine Biologie aus der Reihe. Streng genommen ist er kein Fruchtkörper, sondern ein Sklerotium: eine sterile Myzelmasse, die über Jahre, oft Jahrzehnte, im lebenden Baum heranwächst. In dieser langen Zeit zieht er Stoffe aus der Birke in sich hinein. Betulin und Betulinsäure, die man in ihm findet, stammen nachweislich aus dem Baum, nicht aus dem Pilz.
Dazu kommen seine eigenen Triterpene, allen voran das Inotodiol, sowie die Beta-Glucane, die für Pilze typisch sind, und die wasserlöslichen Melanine, die ihm die schwarze Kruste geben. Über 250 Sekundärstoffe sind bisher beschrieben.
Chaga ist damit chemisch etwas Eigenes: halb Birke, halb Pilz, über Jahrzehnte in einem lebenden Stamm gewachsen. Das erklärt, warum er auffällt.
Was wir über Chaga sagen dürfen
In der Europäischen Union ist für Chaga keine gesundheitsbezogene Angabe zugelassen. Deshalb findest du hier keine Aussagen über Wirkungen, sondern Geschichte, Herkunft, Zubereitung und Geschmack. Mehr zu den Unterschieden zwischen den Pilzen findest du in unserem Vitalpilze-Guide.
Chaga als Tee: Absud statt Aufguss
Chaga ist hart und dicht und gibt sich nicht schnell her. Ein kurzer Aufguss wie bei Kräutertee bringt kaum Farbe und Geschmack in die Tasse: Wer Chaga drei Minuten überbrüht, bekommt gefärbtes Wasser.
Überliefert ist deshalb ein langer Absud: klein schneiden, ins Wasser, lange köcheln lassen. Genau so beschreiben es die Chanty am Jugan ebenso wie die Cree in Kanada.
Chemisch unterscheiden sich die Inhaltsstoffe in ihrer Löslichkeit: Beta-Glucane und Melanine lösen sich in Wasser, die Triterpene, also Inotodiol, Betulin und Betulinsäure, sind praktisch wasserunlöslich und lösen sich in Alkohol.
Wer den Weg über die Tasse gehen will, ohne stundenlang zu kochen, nimmt unseren Chaga Chai: Chaga mit Ingwer, Nelken und Zimt auf Rooibos, portioniert und lange ziehen gelassen, mindestens zehn Minuten, gern auch fünfzehn.
Pulver, Kapseln oder Tinktur: was ist der Unterschied?
Der größte Unterschied liegt nicht in der Darreichungsform, sondern im Rohstoff.
Ein Teil dessen, was als Chaga-Pulver oder -Kapsel verkauft wird, ist nicht der schwarze Knoten vom Birkenstamm, sondern auf Getreide gezüchtetes Myzel, mitsamt dem Substrat vermahlen. Ein Blick auf die Zutatenliste hilft: Steht dort „Myzel“ oder „mycelium biomass“, ist es das.
Unsere Chaga-Tinktur wird über sechs Wochen dreifach extrahiert, mit Alkohol, Wasser und Glycerin, aus dem ganzen, gewachsenen Chaga-Knoten, ohne Myzel und ohne Getreidesubstrat, handgemacht in Wien in kleinen Chargen. Den Alkohol entfernen wir dabei wieder. Wasser löst dabei vor allem die Beta-Glucane und Melanine, Alkohol vor allem die Triterpene.
Die Tasse für jeden Tag
Der alltagstauglichste Weg ist der Latte. Chaga Latte: Home verbindet Chaga und Reishi mit Getreidekaffee aus Lupinen und Ceylon-Zimt: röstig und cremig, ohne Koffein und ohne zugesetzten Zucker. Einen Esslöffel mit warmer (Pflanzen-)Milch verrühren, nach Geschmack süßen. Ein Glas mit 120 g reicht für ca. 45 Portionen, das sind rund 88 Cent pro Tasse im Glas und rund 86 Cent mit dem Refill-Beutel.
Wer die konzentrierte Form sucht, ohne täglich zu kochen, findet die Chaga-Tinktur; die Verzehrempfehlung steht auf der Produktseite. Alle Pilzprodukte findest du unter Pilze.
Zur Menge und Sicherheit
Chaga enthält viel Oxalsäure, deutlich mehr als Rhabarber oder Spinat. Halte dich an die empfohlene Menge auf dem Etikett und überschreite sie nicht. Wenn du Nierenprobleme hast oder zu Nierensteinen neigst, Medikamente einnimmst, schwanger bist oder stillst, kläre den Verzehr vorab mit deiner Ärztin oder deinem Arzt.
Häufige Fragen zu Chaga
Wie schmeckt Chaga?
Dunkel und erdig, mit einer weichen, fast vanilligen Note, deutlich gefälliger als die meisten anderen Pilztees. Als Latte mit aufgeschäumter Hafermilch erinnert er eher an Kaffee als an Tee.
Ist Chaga wirklich ein Pilz?
Ja, aber was geerntet wird, ist ein Sklerotium: eine sterile Myzelmasse, die über Jahre im lebenden Baum heranwächst. Die sporenbildende Form entsteht flach unter der Rinde, erst wenn der Baum bereits stirbt, und wird praktisch nie gesammelt.
Wie bereite ich Chaga-Tee zu?
Nicht wie Kräutertee: kleine Stücke, langer Absud, gern eine Stunde und mehr köcheln lassen. Beim Chaga Chai reichen zehn bis fünfzehn Minuten Ziehzeit, weil der Pilz dort fein vermahlen ist.
Wie viel Chaga Latte nehme ich pro Tasse?
Einen Esslöffel mit warmer (Pflanzen-)Milch verrühren und nach Geschmack süßen. Ein Glas mit 120 g reicht für ca. 45 Portionen.
Kann ich Chaga mit anderen Pilzen kombinieren?
Ja, das ist üblich. In unserem Latte steht Chaga zusammen mit Reishi; in der Tinktur bleibt er für sich.
Woran erkenne ich Chaga ohne Myzel auf Getreide?
An der Zutatenliste: Steht dort „Myzel“ oder „mycelium biomass“, wurde der Pilz auf Substrat gezüchtet. Unsere Tinktur wird aus dem ganzen, gewachsenen Chaga-Knoten hergestellt, ohne Myzel und ohne Getreidesubstrat.
Warum steht hier nichts über die Wirkung?
In der EU ist für Chaga keine gesundheitsbezogene Angabe zugelassen, und krankheitsbezogene Aussagen sind für Lebensmittel generell verboten. Darum findest du bei uns Herkunft, Zubereitung und Geschmack.
Zum Schluss
Ein Pilz, der Jahrzehnte in einem lebenden Baum wächst, außen wie Kohle aussieht und innen goldbraun leuchtet. Den die Chanty am Jugan auskochten und die Cree in Nordkanada, ohne je voneinander gehört zu haben. Und der finnische Soldaten durch einen Winter ohne Kaffee brachte.
Wir halten ihn für einen der interessantesten Rohstoffe, die es gibt, und für einen sehr guten Beginn des Tages.
Chaga Latte: Home · 120 g · im Glas 39,80 € · im Refill-Beutel 38,80 €
Getreidekaffee aus Lupinen mit Chaga, Reishi und Ceylon-Zimt
Ohne Koffein, ohne zugesetzten Zucker · ca. 45 Portionen
Zum Chaga Latte
Quellen: Saar M. Fungi in Khanty folk medicine. Journal of Ethnopharmacology 1991;31(2):175–179 · Turner NJ, Cuerrier A. Botany 2022;100(2) · Prakofjewa J et al. IMA Fungus 2024;15:22 · Sułkowska-Ziaja K et al. Molecules 2023;28:4907 · Beug MW, North American Mycological Association 2019 · EU-Register der zugelassenen gesundheitsbezogenen Angaben, VO (EG) 1924/2006

