100 % Fruchtkörper — kein Myzel, kein Getreidesubstrat
Dreifach-Extraktion über 6 Wochen mit Alkohol, Wasser und Glycerin
Handgemacht in Wien in kleinen Chargen in unserer eigenen Manufaktur
100 ml — bei einem Teelöffel täglich rund drei Wochen
Der stille Klassiker — und der Pilz mit der besten Entdeckungsgeschichte
Das Judasohr ist der unauffälligste Pilz in unserem Sortiment und zugleich der, über den die interessanteste Geschichte zu erzählen ist. In China isst man ihn täglich, seit Jahrhunderten, ohne viel Aufhebens. In der westlichen Forschung landete er, weil einem Arzt an sich selbst etwas auffiel.
Minneapolis, 1980
Dale Hammerschmidt war Hämatologe an der University of Minnesota — ein Spezialist für Blutzellen. Er beobachtete, dass nach dem Essen bestimmter chinesischer Gerichte etwas mit den Blutplättchen geschah: Sie verklumpten schlechter als sonst, vorübergehend und reversibel. Er ging der Sache nach, fand als gemeinsamen Nenner den schwarzen Holzpilz Mù ěr, und veröffentlichte den Befund 1980 im New England Journal of Medicine unter dem Titel „Szechwan Purpura".
Was folgte, ist ein Lehrstück darüber, wie aus einer Alltagsbeobachtung Forschung wird. 1982 zeigte eine Arbeitsgruppe in Thrombosis and Haemostasis, dass Auszüge aus Mù ěr die Verklumpung menschlicher Blutplättchen im Labor hemmen. 2004 identifizierte eine japanische Gruppe um Akira Murata den verantwortlichen Stoff: Adenosin, das über den A2A-Rezeptor wirkt. Und 2019 verglich eine slowakische Arbeitsgruppe in der Zeitschrift Nutrients acht Speisepilze im Reagenzglas an menschlichen Blutplättchen — das Judasohr lag bei einem der beiden Testverfahren an der Spitze aller acht Arten.
Vier Jahrzehnte Forschung, ausgelöst davon, dass ein Arzt beim Abendessen aufmerksam war.
Was die chinesische Überlieferung sagt
Das Judasohr steht in den ältesten chinesischen Arzneibüchern — und zwar wörtlich. Im Shennong Bencao Jing, der han-zeitlichen Sammlung, heißt es über die Holzohren:
五木耳名檽,益氣、不飢、輕身、強志 — „Die fünf Holzohren heißen nòu; sie mehren das Qi, stillen den Hunger, machen den Körper leicht und stärken den Willen."
Li Shizhen übernimmt das 1596 im Bencao Gangmu wörtlich und ergänzt eigene Beobachtungen. In einem Ernährungswerk der späten Qing-Zeit, dem Suixiju Yinshi Pu von 1861, kommt eine Zuschreibung hinzu, die heute die bekannteste ist: 活血 — „das Blut bewegen". Es ist bemerkenswert, dass ausgerechnet diese Zuschreibung, die erst im 19. Jahrhundert auftaucht, gut hundertzwanzig Jahre später von einem Hämatologen in Minnesota wiederentdeckt wurde.
Einer der ältesten Kulturpilze überhaupt
Das Judasohr gehört zu den am längsten kultivierten Speisepilzen der Welt. Die chinesische Fachliteratur führt seinen Anbau auf die Tang-Zeit zurück; die älteste regelmäßig genannte Quelle ist das Xinxiu Bencao von 659 n. Chr., das beschreibt, auf welchen Bäumen er wächst und wofür man ihn nimmt. Spätestens im 14. Jahrhundert ist eine Anbaumethode schriftlich festgehalten: Fruchtkörper zerkleinern, in Kerben im Holz legen, mit Beifußblättern und Erde abdecken.
Was heute in Asien kultiviert wird, ist übrigens nicht ganz derselbe Pilz wie der europäische Holunderschwamm: 2014 wurde die chinesische Kulturform als eigene Art Auricularia heimuer beschrieben. Ein Detail, das kaum ein Anbieter kennt — uns ist es wichtig, weil wir gerne wissen, was wir verarbeiten.
Judas, Gerard und der Markt von Covent Garden
In Europa hat der Pilz einen Namen, der älter ist als sein botanischer: „iewes eares" steht schon 1544 in einem englischen Arzneibuch, „Iewe's eare" 1597 bei John Gerard. Der Legende nach wuchs er an dem Holunder, an dem Judas Iskariot starb — daher Judasohr. Man kochte ihn in Milch oder legte ihn in Essig ein und gurgelte damit bei Halsschmerzen; John Pechey schreibt 1694 wörtlich: „Boyl'd in Milk, or infus'd in Vinegar, 'tis good to gargle the Mouth or Throat". Auf dem Markt von Covent Garden wurde er noch 1860 zu diesem Zweck verkauft.
Was drin ist
Das Judasohr ist der glucanreichste Pilz in unserem Sortiment. Eine Messung deutscher Lebensmittelchemiker, veröffentlicht 2017 in Food Chemistry, ergab 41,8 Gramm Beta-Glucane pro 100 Gramm Trockenmasse — deutlich mehr als etwa im Shiitake-Hut. Dazu kommen die charakteristischen sauren Polysaccharide vom Typ Glucuronoxylomannan, die es so nur in dieser Gattung gibt, sowie Adenosin, jener Stoff, den die japanische Arbeitsgruppe 2004 als aktives Prinzip identifiziert hat. Das tiefe Schwarz stammt von echtem Pilzmelanin.
Einnahme
1 bis 2 Teelöffel pro Tag, pur oder in etwas Wasser. Bei einem Teelöffel täglich reichen 100 ml rund drei Wochen. Der Geschmack ist mild und leicht rauchig — von unseren Pilztinkturen die unaufdringlichste.
Inhalt: 100 ml | Empfehlung: 1 bis 2 Teelöffel pro Tag
Zur europäischen Gesetzgebung
Heilpilze und Heilpflanzen sind keine Erfindung der Moderne. Die Menschheit verwendet sie seit Jahrtausenden als Medizin — und die moderne Pharmazie hat ihre Wurzeln genau dort: im Pflanzenwissen der Völker. Aspirin kommt von der Weide, Penicillin vom Schimmelpilz, Chinin gegen Malaria von der Chinarinde.
Wir dürfen dir das gesetzlich nicht sagen — zumindest nicht so direkt, wie wir es gerne würden. Die europäische Health-Claims-Verordnung (EU 1924/2006) verbietet gesundheits- und krankheitsbezogene Aussagen für Nahrungsergänzungsmittel, solange sie nicht durch ein aufwendiges EU-Zulassungsverfahren bestätigt wurden. Das betrifft nahezu alle pflanzlichen und pilzlichen Wirkstoffe — egal wie alt und wie gut erforscht ihre Anwendung ist.
Deshalb laden wir dich ein, selbst zu recherchieren. PubMed ist die weltweit größte Datenbank für wissenschaftliche Studien — frei zugänglich, kostenlos. Hier geht es direkt zu den Studien über Auricularia auf PubMed.
Dieses Produkt ist ein Nahrungsergänzungsmittel und kein Arzneimittel. Es ist nicht zur Diagnose, Behandlung oder Heilung von Krankheiten bestimmt.
Gut zu wissen: Wenn du gerinnungshemmende oder thrombozytenhemmende Medikamente einnimmst (etwa Marcumar, ASS oder Clopidogrel) oder eine Operation ansteht, sprich die Einnahme bitte vorher mit deiner Ärztin oder deinem Arzt ab und informiere das Behandlungsteam.
Quellen
Hammerschmidt D.E.: Szechwan Purpura. New England Journal of Medicine 1980; 302(21):1191–1193.
Agarwal K.C. et al.: Inhibition of human and rat platelet aggregation by extracts of Mo-er (Auricularia auricula). Thrombosis and Haemostasis 1982. — PMID 6983740
Murata A. et al.: Adenosine as an active constituent of Auricularia auricula for the inhibition of rabbit platelet aggregation. Pharmacometrics 2004; 67(3–4):359–364.
Šimkovič M., Poláková N. et al.: The Effect of Mushroom Extracts on Human Platelet and Blood Coagulation: In vitro Screening of Eight Edible Species. Nutrients 2019; 11(12):3040.
Sari M., Prange A., Lelley J.I., Hambitzer R.: Screening of beta-glucan contents in commercially cultivated and wild growing mushrooms. Food Chemistry 2017; 216:45–51.
Wang J. et al.: Melanin in Auricularia auricula. Food Science and Biotechnology 2024; 33(8):1751–1758.
Wu F., Yuan Y., Malysheva V., Du P., Dai Y.C.: Species clarification of the Chinese medicinal mushroom „Heimuer" (Auricularia heimuer). Phytotaxa 2014; 186(5):241–253.
Shennong Bencao Jing (神農本草經), Eintrag 五木耳 — Primärtext. · Li Shizhen: Bencao Gangmu (本草綱目), 1596, Eintrag 木耳 — Primärtext. · Wang Mengying: Suixiju Yinshi Pu (隨息居飲食譜), 1861.
Pechey J.: The Compleat Herbal of Physical Plants, 1694. · Gerard J.: The Herball, 1597.